Teurer – Digital noch immer nicht.

Der FahrPlaner kennt Verbindung, Tarifstufe und Preis – und verkauft längst Tickets anderer Verkehrsverbünde. Nur der gewöhnliche VEJ-Einzelfahrschein fehlt. Warum eigentlich noch immer?

Dies ist ein Longread-Artikel, er ist absichtlich ausführlich, lang und detailliert gehalten. Eine kompaktere Nachrichten-Fassung finden Sie hier.

Es ist eine alltägliche Fahrt. Von Emden nach Aurich, vielleicht zur Arbeit, zu einem Termin oder zu einem Besuch. Der Fahrgast nimmt sein Smartphone, öffnet den FahrPlaner und gibt Start und Ziel ein. Innerhalb weniger Sekunden erscheint die passende Verbindung.

Die App kennt die Abfahrtszeit, die Haltestelle, den Linienweg und die voraussichtliche Ankunft. Auch der Fahrpreis ist kein Geheimnis: Ab Samstag, dem 1. August 2026, kostet die Einzelfahrt von Emden nach Aurich 7,60 Euro statt bisher 7,40 Euro. Im Regionalverkehr des Verkehrsverbundes Ems-Jade steigen die Preise außerplanmäßig um durchschnittlich rund drei Prozent.

Der Fahrgast weiß nun also fast alles.

Er weiß, wann der Bus kommt. Er weiß, wo er einsteigen muss. Er weiß, wie lange die Fahrt dauert. Und er weiß, wie viel sie kostet.

Nur kaufen kann er die angezeigte Fahrkarte nicht.

Genauer gesagt: Der FahrPlaner ist technisch längst in der Lage, Fahrkarten zu verkaufen. Er besitzt einen Ticketshop, verwaltet Kundenkonten und Zahlungsdaten und stellt HandyTickets unmittelbar nach dem Kauf auf dem Smartphone bereit. Nur der gewöhnliche Einzelfahrschein des VEJ-Tarifs ist dort bis heute nicht freigeschaltet.

Das ist ein wichtiger Unterschied. Es fehlt keine App. Es fehlt kein Tarif. Es fehlt auch kein neues Ticketprodukt.

Der Fahrgast möchte lediglich den Fahrschein, den er heute vorne beim Fahrer kauft, bereits vor der Fahrt digital bezahlen. Anschließend zeigt er das Ticket beim Einstieg auf seinem Smartphone vor und setzt sich hin. Genau so, wie es beim Deutschlandticket oder bei Einzelfahrscheinen anderer Verkehrsverbünde längst funktioniert.

Mehr wird gar nicht verlangt.

Alles vorhanden – bis auf den eigenen Fahrschein

Der FahrPlaner verkauft bereits Einzel- und Tageskarten verschiedener niedersächsischer Verkehrsverbünde. Beim Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen sind unter anderem Einzeltickets, Tageskarten, Kurzstreckentickets und NachtTickets erhältlich. Auch Fahrkarten weiterer Verbünde, das Deutschlandticket und Angebote des Niedersachsentarifs können über dieselbe Plattform gekauft werden.

Reguläre VEJ-Einzel- und Tageskarten fehlen dagegen.

Wer nur einmal von Emden nach Aurich fahren möchte, kann zwar in derselben App ein Deutschlandticket erwerben. Das ist jedoch ein Monatsabonnement und keine sinnvolle Antwort auf eine einzelne Busfahrt. Auch das Niedersachsen-Ticket ist für einen ganzen Tag und einen deutlich größeren Geltungsbereich gedacht.

Was fehlt, ist das Naheliegendste: der normale Fahrschein zum normalen VEJ-Tarif.

Der Fahrgast kann seine Verbindung suchen, den Preis sehen und seine Zahlungsdaten bereits in derselben App hinterlegt haben. Trotzdem muss er zum Bus gehen, einsteigen und sein Ticket beim Fahrer kaufen.

Der digitale Reiseweg endet genau dort, wo das Geld fließen soll.

Dabei ist der FahrPlaner keine beliebige Drittanbieter-App. Der VEJ bewirbt ihn selbst, bindet ihn in seine Internetseite ein und verweist bei seinen PlusBus- und TaktBus-Angeboten auf die digitale Verbindungssuche. Der FahrPlaner gehört damit seit Jahren zur offiziellen Fahrgastinformation des Verbundes.

Gerade deshalb drängt sich die Frage auf:

Warum führt der VEJ seine Fahrgäste in eine App, die Verbindung, Tarifstufe und Preis kennt und Fahrkarten anderer Verbünde verkauft – und lässt sie unmittelbar vor dem letzten Schritt stehen?

Der Fahrer bleibt Verkaufsstelle und Tarifberater

Die fehlende digitale Kaufmöglichkeit ist nicht nur eine Komfortfrage. Ihre Folgen landen täglich vorne im Bus.

Das Fahrpersonal soll den Bus sicher durch den Verkehr bewegen, den Fahrplan einhalten, Fahrgäste beobachten und bei Problemen helfen. Beim Einstieg wird der Fahrer zusätzlich zur Verkaufsstelle und zum Tarifberater.

Wohin möchten Sie? Nur hin oder auch zurück? Fahren Kinder mit? Ist eine Tageskarte günstiger? Gilt vielleicht ein anderes Angebot? Kann mit Karte bezahlt werden? Ist ausreichend Wechselgeld vorhanden?

Viele Fahrgäste benötigen diese Beratung. Sie muss selbstverständlich erhalten bleiben. Niemand fordert, dass Personen ohne Smartphone oder Menschen, die Hilfe bei der Tarifwahl brauchen, künftig keine Fahrkarte mehr bekommen.

Aber längst nicht jeder Fahrgast braucht diese Beratung.

Viele haben ihre Fahrt bereits geplant. Sie kennen Start, Ziel und Preis. Sie würden den Fahrschein gern zu Hause, auf dem Weg zur Haltestelle oder beim Warten auf den Bus kaufen. Beim Einstieg möchten sie nur noch das Ticket vorzeigen.

Wie umständlich der heutige Ablauf selbst bei einer eigentlich entspannten Fahrt werden kann, zeigte 2025 ein Selbstversuch der Ostfriesischen Nachrichten. Eine Mutter wollte mit ihren beiden Kindern aus Ihlow nach Aurich fahren. Beim Einstieg musste zunächst geklärt werden, welches Ticket für die Familie am günstigsten war. Der Fahrer fand tatsächlich eine preiswertere Möglichkeit. Die erwartete Kartenzahlung funktionierte nach Schilderung der Autorin jedoch nicht, und auch der vorhandene 20-Euro-Schein bereitete zunächst Schwierigkeiten.

Das Beispiel zeigt keinen unfähigen Fahrer. Im Gegenteil: Er löste das Problem und beriet die Familie sogar zu ihrem Vorteil.

Es zeigt aber, wie viele Aufgaben das System an die Fahrertür verlagert. Während beraten, gerechnet und bezahlt wird, steht der Bus. Hinter dem Fahrgast warten möglicherweise weitere Menschen. Der Fahrplan läuft weiter.

Ein digitaler Vorverkauf würde den Fahrscheinverkauf im Bus nicht abschaffen. Er würde lediglich diejenigen aus der Schlange nehmen, die ihre Fahrt bereits kennen und digital bezahlen möchten.

Es wäre keine Revolution. Es wäre eine Entlastung.

Seit Jahren angekündigt

Vielleicht wäre das fehlende HandyTicket weniger bemerkenswert, wenn das Thema neu wäre. Doch der VEJ spricht seit Jahren über Digitalisierung, bessere Fahrgastinformation und Online-Tickets.

Bereits 2022 erklärte der Verbund, dass es einfacher und übersichtlicher werden müsse, sich über Busverbindungen in Ostfriesland zu informieren. An den Haltestellen sollte stärker auf den FahrPlaner hingewiesen werden. Die App wurde als Lösung für aktuelle Fahrzeiten, Verspätungen, Baustellen und die Orientierung im Liniennetz präsentiert.

Ein Jahr später wurde das Vorhaben konkreter. Bei einem Treffen der Verkehrsregion Ems-Jade im September 2023 wurden neben dem bargeldlosen Bezahlen und neuen Fahrgastinformationssystemen ausdrücklich auch Online-Tickets als Arbeitsfeld genannt. Landkreise, Städte und Verkehrsunternehmen sollten dafür gemeinsam Konzepte entwickeln.

Das war noch kein Einführungstermin. Aber es war eine öffentliche Ankündigung.

Seitdem sind fast drei Jahre vergangen.

In dieser Zeit wurde die Internetseite des VEJ erneuert. Der FahrPlaner wurde noch stärker eingebunden. Bargeldloses Bezahlen wurde in vielen Bussen eingeführt. Neue PlusBus- und TaktBus-Angebote entstanden. Der Verbund hat seine digitale Fahrgastinformation ausgebaut und wirbt inzwischen offensiv mit einem moderneren Nahverkehr.

Nur über den Stand der angekündigten Online-Tickets ist kaum etwas zu erfahren.

Wurde ein konkretes Projekt begonnen? Wurde mit dem Betreiber des FahrPlaners verhandelt? Gibt es ein Budget, einen Zeitplan und eine verantwortliche Stelle? Scheitert die Umsetzung an Technik, Verträgen oder der Verteilung der Fahrgeldeinnahmen? Oder blieb es bei ersten Gesprächen?

Nach fast drei Jahren wären Antworten darauf nicht zu viel verlangt.

Der VEJ hat bewiesen, dass gemeinsame Lösungen möglich sind

Im Verbundbericht für das Jahr 2024 bezeichnet der VEJ das bargeldlose Bezahlen als bedeutenden Meilenstein. Gleichzeitig räumt der Verbund offen ein, dass dessen Einführung komplizierter war als erwartet.

Die beteiligten Verkehrsunternehmen nutzten unterschiedliche Bordrechnersysteme verschiedener Hersteller. Software musste angepasst werden, Komponenten waren teilweise nur mit langen Lieferzeiten erhältlich, und auch die Verteilung der laufenden Kosten musste geklärt werden.

Trotzdem wurde eine Lösung gefunden.

Landkreise und Städte förderten die technische Umrüstung. Unternehmen und Aufgabenträger einigten sich auf die Verteilung der Kosten. Die unterschiedlichen Systeme wurden angepasst.

Das ist für die Debatte um das Online-Ticket entscheidend. Denn es zeigt: Wenn die Beteiligten ein gemeinsames Ziel verfolgen, können sie technische Unterschiede überwinden und Finanzierungsfragen regeln.

Warum sollte beim digitalen Vorverkauf grundsätzlich etwas anderes gelten?

Natürlich kann die Aufnahme eines Verbundtarifs in einen Ticketshop komplizierter sein als ein Kartenlesegerät im Bus. Einnahmen müssen abgerechnet, Rückerstattungen bearbeitet, Tickets kontrolliert und unterschiedliche Verkehrsverträge berücksichtigt werden.

Doch genau dafür gibt es einen Verkehrsverbund und öffentliche Aufgabenträger. Ihre Aufgabe ist nicht, festzustellen, dass mehrere Unternehmen unterschiedliche Systeme verwenden. Ihre Aufgabe ist, daraus für den Fahrgast ein gemeinsames Angebot zu schaffen.

Unterschiedliche Technik kann eine Verzögerung erklären.

Sie erklärt nicht, warum nach mehreren Jahren noch immer kein öffentlich erkennbarer Zeitplan existiert.

Hunderttausende Einzelfahrscheine

Das digitale VEJ-Ticket wäre auch kein Nischenangebot für einige wenige Technikbegeisterte.

Der Verbundbericht weist für 2024 mehr als 335.000 Fahrgäste mit Einzelfahrschein aus. Hinzu kamen Tageskarten, Kinderfahrkarten, FamilienTickets und weitere Produkte des klassischen Regionaltarifs.

Nicht alle diese Fahrgäste würden digital kaufen. Manche möchten bar bezahlen, andere benötigen Beratung oder besitzen kein Smartphone.

Aber selbst wenn nur ein Teil der Einzelfahrscheine vorab im FahrPlaner gekauft würde, entfielen zahlreiche Verkaufsvorgänge im Bus. Das würde den Einstieg vereinfachen und das Fahrpersonal entlasten.

Der VEJ selbst stellt fest, dass einfache und leicht nutzbare Tarifangebote besonders erfolgreich sind. Das JugendTicket und das Deutschlandticket haben nach seiner eigenen Darstellung neue Fahrgäste gewonnen.

Gerade Gelegenheitsnutzer brauchen einen einfachen Zugang. Sie sollten eine Verbindung suchen, den Preis sehen, bezahlen und mit einem gültigen Ticket einsteigen können.

Stattdessen bietet der VEJ den bequemsten digitalen Zugang vor allem über Fahrkarten, deren Vertrieb anderswo entwickelt wurde: das Deutschlandticket und das Niedersachsen-Ticket.

Für den eigenen Regionaltarif bleibt der Fahrgast beim alten Verkaufsweg.

Liegt das Problem beim Geld?

Möglicherweise beginnt das eigentliche Problem dort, wo entschieden werden muss, wem die Einnahmen eines digital verkauften Tickets zustehen.

Im Verkehrsverbund Ems-Jade sind 14 Busunternehmen zusammengeschlossen. Eine Reise kann über mehrere Linien führen und einen Umstieg zwischen unterschiedlichen Betreibern enthalten. Die VEJ-Tarifbestimmungen sehen vor, dass Fahrkarten im Namen und für Rechnung der Unternehmen verkauft werden, die den Fahrgast befördern.

Wer beim Fahrer bezahlt, tut dies in einem konkreten Bus und auf einer konkreten Fahrt. Das Unternehmen, das Verkaufsgerät und der Vorgang sind eindeutig miteinander verbunden.

Bei einem vorab gekauften Fahrschein muss dagegen geregelt sein, wer das Geld zunächst erhält und wie es gegebenenfalls verteilt wird.

Das kann kompliziert sein. Unlösbar ist es jedoch nicht.

Der FahrPlaner besitzt bereits eine zentrale Verkaufs- und Abrechnungsstruktur. Die VBN GmbH tritt bei den angeschlossenen Tarifen als bevollmächtigte Stelle für Ticketverkauf und Abrechnung auf. Rechnungen werden im Namen der beteiligten Verkehrsunternehmen erstellt, während der Beförderungsvertrag weiterhin beim tatsächlich genutzten Unternehmen bleibt.

Genau dieses Modell könnte grundsätzlich auch für den VEJ-Tarif genutzt werden.

Es fehlt also nicht die denkbare Verkaufsstelle. Es fehlt die Einbindung des VEJ-Tarifs in dieses System.

Die neue Ausschreibung zeigt, was bereits möglich ist

Besonders aufschlussreich ist die aktuelle Ausschreibung des Landkreises Aurich für das Linienbündel Hage und Großheide. Der neue Vertrag soll von Februar 2027 bis Januar 2037 laufen.

Darin schreibt der Landkreis ausdrücklich einen sogenannten Bruttovertrag aus. Das bedeutet: Das Einnahmerisiko liegt beim Landkreis und nicht beim Verkehrsunternehmen. Der Betreiber erhält seine Vergütung für die erbrachten Leistungen, Fahrzeuge, Fahrplanstunden und Kilometer.

Damit verliert zumindest bei diesem neuen Vertrag die Vermutung an Gewicht, ein Unternehmen könne den digitalen Verkauf ablehnen, weil es seine eigenen Einnahmen nicht abgeben wolle.

Hinzu kommt: Die Ausschreibung verlangt elektronische Fahrscheindrucker, die Verkaufsdaten linien- und fahrtengenau erfassen können. Der Landkreis darf die Fahrgeldeinnahmen nach Linie, Monat und Ticketart kontrollieren. Automatische Zählsysteme sollen Ein- und Aussteiger je Fahrt und Haltestelle erfassen.

Auch mobile Tickets sind längst mitgedacht. QR-Codes müssen lesbar sein, elektronische Fahrscheine kontrolliert werden können, und zukünftige Änderungen im Ticketangebot sind umzusetzen. Falls dafür zusätzliche Kontrollgeräte notwendig werden, kann der Landkreis deren Beschaffung verlangen und die nachgewiesenen Mehrkosten übernehmen.

Die technischen und vertraglichen Bausteine sind also vorhanden:

  • Mobile Fahrkarten können kontrolliert werden.
  • Verkäufe werden fahrtengenau gespeichert.
  • Einnahmen werden detailliert dokumentiert.
  • Das wirtschaftliche Risiko liegt beim Landkreis.
  • Neue Ticketangebote müssen umgesetzt werden.

Was in der öffentlich zugänglichen Leistungsbeschreibung nicht ausdrücklich verlangt wird, ist die Teilnahme an einem zentralen digitalen Verkauf der normalen VEJ-Einzelfahrscheine.

Der Betreiber muss digitale Tickets kontrollieren können. Er muss sie aber nicht erkennbar über den FahrPlaner oder einen anderen gemeinsamen VEJ-Ticketshop anbieten.

Genau diese Lücke ist bemerkenswert.

Wenn nicht bei neuen Verträgen – wann dann?

Alte Verkehrsverträge lassen sich möglicherweise nicht ohne Weiteres verändern. Vielleicht wurden sie abgeschlossen, bevor ein gemeinsamer digitaler Vertrieb eine Rolle spielte. Neue Anforderungen können Kosten verursachen und müssen verhandelt werden.

Doch eine neue Ausschreibung ist genau der Moment, in dem ein Landkreis die zukünftigen Regeln festlegt.

Die Leistungsbeschreibung für Hage und Großheide umfasst 58 Seiten. Sie regelt Fahrzeuggrößen, Barrierefreiheit, Klimatisierung, WLAN, USB-Anschlüsse, Echtzeitdaten, Fahrgastzählung, Beschwerdemanagement, Verkaufsgeräte und Vertragsstrafen.

Der Landkreis schreibt sogar vor, dass ein ungeeignetes Verkaufssystem, das den Fahrgastwechsel verzögert, in den Verantwortungsbereich des Verkehrsunternehmens fällt.

Nur der entscheidende Satz fehlt sinngemäß:

Der Auftragnehmer ist verpflichtet, am zentralen digitalen Vertrieb des VEJ-Tarifs teilzunehmen.

Möglicherweise soll eine solche Pflicht später über die Klausel für zukünftige Ticketangebote eingeführt werden. Doch diese Klausel verpflichtet nur das Verkehrsunternehmen, auf eine spätere Entscheidung zu reagieren.

Sie verpflichtet niemanden dazu, diese Entscheidung tatsächlich zu treffen.

Der Betreiber muss ein digitales VEJ-Ticket umsetzen, falls es eingeführt wird.

Aber wer sorgt dafür, dass es eingeführt wird?

Wer übernimmt die Verantwortung?

Für den Fahrgast ist der Nahverkehr in Ostfriesland ein gemeinsames System. Auf den Bussen und Haltestellen steht VEJ. Es gibt einen gemeinsamen Tarif, eine gemeinsame Internetseite und eine gemeinsame Fahrplanauskunft.

Hinter diesem Auftritt stehen jedoch verschiedene Organisationen.

Der Verkehrsverbund Ems-Jade ist der Zusammenschluss der Busunternehmen. Die Gesellschaft Verkehrsregion Ems-Jade mbH bündelt dagegen die öffentlichen Aufgabenträger: die Landkreise Aurich, Friesland, Leer und Wittmund sowie die Städte Emden, Leer und Wilhelmshaven.

Die Unternehmen fahren und verkaufen Fahrkarten. Die Landkreise und Städte bestellen und finanzieren viele Verkehrsleistungen. Der VBN betreibt mit dem FahrPlaner die zentrale Auskunfts- und Vertriebsplattform.

Das kann intern sinnvoll organisiert sein. Für den Fahrgast darf es aber nicht dazu führen, dass eine überschaubare Verbesserung zwischen den Zuständigkeiten liegen bleibt.

Dabei steht längst auf dem Papier, wer solche Aufgaben zusammenführen soll.

Der aktuelle Nahverkehrsplan des Landkreises Aurich sieht vor, die neue Gesellschaft Verkehrsregion Ems-Jade zu einem stärkeren Verkehrs- und Mobilitätsverbund weiterzuentwickeln. Zu ihren Aufgaben sollen ausdrücklich die Weiterentwicklung des regionalen Bustarifs, Regeln zur Aufteilung der Verbunderlöse, ein gemeinsames Kundenmanagement sowie die Nutzung digitaler Medien zur Information, Buchung und Bezahlung gehören.

Damit sind sowohl das mögliche Problem als auch die zuständige Stelle benannt.

Wenn die Einnahmeaufteilung fehlt, soll die Verkehrsregion Regeln dafür entwickeln. Wenn digitale Buchung und Bezahlung fehlen, gehören auch diese zu ihrem Aufgabenbereich. Wenn verschiedene Unternehmen und Aufgabenträger koordiniert werden müssen, ist genau das der Zweck der gemeinsamen Gesellschaft.

Die Frage lautet deshalb nicht mehr nur: Wer könnte es machen?

Sie lautet: Warum wird es noch immer nicht gemacht?

„Schlagkräftiger“ sollte die neue Struktur werden

Bereits 2023 wurde die Neuorganisation der Verkehrsregion mit dem Ziel angekündigt, die kommenden Aufgaben besser bearbeiten zu können. Sie sollte „schlagkräftiger“ werden. In derselben Mitteilung wurden Online-Tickets als eines der Themen genannt, für die gemeinsam Konzepte entwickelt werden sollten.

Inzwischen besteht die neue Gesellschaft. Der Nahverkehrsplan weist ihr digitale Buchung und Bezahlung sowie Aufgaben bei der Einnahmeaufteilung und dem Kundenmanagement zu.

Daran muss sie sich messen lassen.

Eine neue Rechtsform allein verkauft noch keine Fahrkarte. Eine Umstrukturierung ist erst dann ein Fortschritt für Fahrgäste, wenn sie Zuständigkeiten klärt, Entscheidungen beschleunigt und Projekte umsetzt, die zuvor zwischen den Beteiligten festhingen.

Das Online-Ticket ist dafür ein geeigneter Prüfstein.

Es erfordert keine neue Straße, keine zusätzlichen Busse und keine jahrelange Baumaßnahme. Es braucht eine Vertriebsvereinbarung, die technische Einbindung des bestehenden Tarifs, ein Abrechnungsverfahren und die Mitwirkung der beteiligten Unternehmen.

Das ist Arbeit. Aber es ist genau die Art von verbundweiter Organisationsaufgabe, für die Verkehrsverbund und Verkehrsregion geschaffen wurden.

Die Fragen bleiben

Verkehrsverbund und Verkehrsregion sollten deshalb konkret erklären:

Gibt es ein Projekt zur Aufnahme des VEJ-Tarifs in den FahrPlaner-Vertrieb? Wer trägt die Verantwortung? Seit wann wird mit dem VBN darüber gesprochen? Welche technischen, finanziellen oder vertraglichen Punkte sind noch offen? Gibt es bereits Regeln zur Einnahmeaufteilung? Fehlt die Zustimmung einzelner Unternehmen oder Aufgabenträger? Welche neuen Verkehrsverträge ermöglichen eine Teilnahme bereits? Welches Budget und welches Personal stehen zur Verfügung? Und vor allem: Gibt es einen angestrebten Einführungstermin?

Eine ehrliche Antwort könnte durchaus lauten, dass Altverträge, unterschiedliche Systeme und die Verteilung der Einnahmen die Umsetzung verzögert haben.

Dann muss aber der nächste Satz erklären, wie diese Hindernisse beseitigt werden.

Denn der fehlende digitale Einzelfahrschein beweist nicht, dass im VEJ überhaupt nichts funktioniert. Neue Linien wurden eingeführt. Echtzeitinformationen wurden verbessert. Kartenzahlung wurde trotz unterschiedlicher Bordrechner umgesetzt. Der FahrPlaner kennt die Region, ihre Verbindungen und ihren Tarif.

Der fehlende Kaufknopf zeigt vielmehr, wie schwer es dem System offenbar fällt, den letzten Schritt gemeinsam zu gehen.

Vierzehn Unternehmen können nicht jeder für sich einen einheitlichen Verbundvertrieb aufbauen. Sieben öffentliche Aufgabenträger können nicht darauf warten, dass ein einzelnes Unternehmen die Verantwortung übernimmt. Und der Betreiber des FahrPlaners kann keinen Tarif verkaufen, dessen Verantwortliche keine entsprechende Vereinbarung treffen.

Deshalb braucht es eine klare Führung.

Die öffentliche Verkehrsregion wurde geschaffen, um regionale Aufgaben zu bündeln. In ihrem Aufgabenkatalog stehen Tarifentwicklung, Erlösaufteilung, Kundenmanagement sowie digitale Buchung und Bezahlung.

Damit ist die Frage, wer handeln soll, im Grunde beantwortet.

Offen ist nur noch, warum es noch immer nicht geschehen ist.

Ab Samstag kostet die Einzelfahrt von Emden nach Aurich 7,60 Euro. Der FahrPlaner kennt die Verbindung. Er kennt den Preis. Er kann Einzelfahrscheine verkaufen und auf dem Smartphone bereitstellen.

Der Fahrgast möchte kein neues Mobilitätskonzept.

Er möchte den bereits vorhandenen VEJ-Fahrschein vor der Fahrt kaufen, beim Einstieg vorzeigen und sich hinsetzen.

Dass selbst das nach Jahren noch immer nicht möglich ist, müssen Verkehrsverbund und Verkehrsregion erklären.

Quellenübersicht

FahrPlaner

Verkehrsregion und Nahverkehrsplanung

Ausschreibung Hage und Großheide

Die ausführliche Leistungsbeschreibung liegt uns ebenfalls vor. Darin finden sich die Regelungen zum Bruttovertrag, zur fahrtengenauen Erfassung von Fahrscheinverkäufen, zu mobilen Tickets, QR-Codes, Einnahmenkontrolle und Fahrgastzählung.

Presseberichte

ONA

ONA: VEJ erhöht Regionaltarife zum 1. August 2026
Eigener Hintergrund zur aktuellen Preisanpassung. Auf der Startseite beziehungsweise im Beitragsarchiv abrufbar.

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